„Es wäre schwer, eine andere Firma zu finden, die das toppen könnte“

Tief im Süden Baden-Württembergs, nur etwa 20 Autominuten vom Bodenseeufer entfernt, sitzt zwischen Hopfenfeldern, Obstplantagen und Wäldern das Unternehmen VAUDE, einer der Global Player für Outdoor-Ausrüstung. Rund 500 Mitarbeiter arbeiten in dem mittelständischen Familienunternehmen, das Albrecht von Dewitz 1974 gegründet hat und das seit 2009 von seiner Tochter Antje von Dewitz geführt wird. Es ist Freitagnachmittag. Draußen am Haupteingang legen sich zwei Mitarbeiterinnen gerade fröhlich ihre Klettergurte an und schauen erwartungsfroh auf die riesige Kletterwand am Haupteingang. Sie haben Feierabend und gehen jetzt ihrem Hobby nach, das sie mit ihrem Arbeitgeber verbindet: VAUDE plant und steuert mitten in der Naturidylle Tettnang-Obereisenbachs die Produktion von Outdoor-Artikeln wie Bekleidung, Rucksäcke, Zelte – und verkauft die Ware in alle Welt.

© VAUDE

Im Unternehmensgebäude wird noch gearbeitet. Mit viel Holz und Stein erinnert es mehr an ein modernes, geschmackvoll eingerichtetes Domizil in den Bergen als an ein mittelständisches Firmengebäude. Ein paar vollbärtige junge Männer mit Basecap und Bermudas gehen über die Gänge, einer von ihnen läuft barfuß. Eine sportliche Kollegin im T-Shirt hält lächelnd die Tür auf. Die Atmosphäre ist frisch, entspannt und leicht – und das mitten in einer ländlichen Region, die viele, die sie nicht kennen, für konservativ und provinziell halten.

Zurück in die Heimat

Im zweiten Stock hat Petra Schmid ihren Arbeitsplatz. Die 31-Jährige ist für Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung zuständig. Seit 2017 leitet sie ihr erstes kleines Team mit drei Mitarbeitern. „Dass das Arbeiten hier so cool wird, konnte ich mir bei meiner Bewerbung noch nicht vorstellen. Es wäre schwer, eine andere Firma zu finden, die das toppen könnte“, sagt die junge Frau, die selbst gerne klettert und radelt, am liebsten in den Alpen, deren Gipfel schon von Tettnang aus bei gutem Wetter zu sehen sind. Sie stammt aus Oberschwaben und hat an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen Bekleidungstechnik studiert. Für ihre Masterarbeit im Jahr 2011 suchte sie einen geeigneten Platz. „Ich wollte im Textilbereich bleiben, gleichzeitig in die Heimat zurückkehren und kannte das Unternehmen VAUDE schon länger aufgrund seiner Produkte. Dass es so ein Volltreffer für mich wird, hat sich erst im Nachhinein herausgestellt.“

Sport für alle in der Mittagspause

Als Petra Schmid mit 23 Jahren ins Unternehmen kam, durfte sie ein neues Konzept zur Fertigungsoptimierung entwerfen – und es wurde prompt realisiert. „Es war für mich sehr schön zu sehen, dass meine Arbeit direkt umgesetzt wird. Dieser Erfolg hat mir meinen Einstieg ins Berufsleben ermöglicht.“ Seitdem ist es stetig bergauf gegangen: Sie durfte immer mehr Verantwortung übernehmen, wurde zur Projektleiterin weitergebildet und steuerte bald abteilungsübergreifend Projekte. Nebenbei gestaltet sie als interner Gesundheitscoach ein Zirkeltraining für die Mitarbeiter in der Mittagspause – ein Sportangebot, das an jedem Wochentag ein anderer Mitarbeiter anbietet.

Nach der Arbeit gehts direkt zum Klettern an der unternehmenseigenen Wand. © VAUDE

Was ihr bei VAUDE besonders gut gefällt, ist der sportliche Spirit, der alles zusammenhält. „Wir gehen abends oft zusammen klettern oder auf Skitour, oder in der Mittagspause joggen oder schwimmen. Ich schätze es sehr, dass man nicht nur im Büro zusammen ist, sondern das Berufliche und Private auch verbinden kann.“ Ganz wichtig sei ihr auch die umweltfreundliche Ausrichtung von VAUDE und das Nachhaltigkeitsengagement auf allen Ebenen. „VAUDE hat eine Vorreiterrolle. Wir sind immer einen Schritt voraus. Das motiviert und macht Spaß.“

Nicht alles dem Job unterordnen

Petra Schmid wirkt wie eine typische Generation Y-Vertreterin: sehr gut ausgebildet, technikaffin und zielstrebig. Der Generation wird nachgesagt, sie wolle nicht mehr alles dem Job unterordnen, dafür aber so viel Erfüllung, Freude und Anerkennung wie möglich. In einem Land, dem zunehmend die Fachkräfte ausgehen, wird diese Generation zu einer wichtigen Zielgruppe für Unternehmen.

Petra Schmid © VAUDE

Schmid findet sich in der Charakterisierung ihrer Generation durchaus wieder. Gute Aufstiegschancen, eine erfüllte Freizeit und Selbstverwirklichung im Job sind ihr wichtig. „Ich will mich nicht quälen oder verbiegen. Es muss Spaß machen.“ Umso glücklicher ist sie, dass sie bei VAUDE das alles leben kann. Die „Work-Life-Balance“ ist für Schmid ein veralteter Begriff. „Ich muss Arbeiten und Leben nicht trennen. Ich will auch im Beruf „leben“, da muss es auch stimmen. Wenn ich Ausgleich nur am Feierabend finde, würde etwas verkehrt laufen.“ Ein Firmenhandy hat sie nicht und muss in der Freizeit auch nicht erreichbar sein. Und das, obwohl sie der ersten Generation angehört, die im Digitalisierungszeitalter aufgewachsen ist und mit 14 Jahren ihr erstes Mobiltelefon hatte. „Ich bin nicht jemand, der ständig Selfies postet. Aber über meine Generation wird ja auch gesagt, dass wir alle zwei Jahre den Job wechseln würden. Das trifft auf mich auch nicht zu.“

Das Gehalt dagegen spielt für die 31-Jährige eine bedeutendere Rolle, als man es der Generation Y nachsagt. „Klar, mit 23, als ich hier anfing, war das noch nicht ausschlaggebend. Aber jetzt spare ich auf ein Eigenheim, und das Gehalt ist mir wichtiger geworden. Ich arbeite darauf hin, mehr zu verdienen.“ Zwar ist Tettnang eine Kleinstadt im Grünen, aber die Bauplätze und Immobilien in der wirtschaftlich florierenden, wohlhabenden und touristischen Region sind sehr teuer. Vollbeschäftigung und ein relativ hoher Lebensstandard treiben die Preise. Wer hier etwas Eigenes haben will, muss gut verdienen.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf – bei VAUDE selbstverständlich

Frauen haben oft keine Möglichkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren. Das führt zu Frustration bei weiblichen Fachkräften und bedeutet auch ein Verlust für den Arbeitgeber. Bei VAUDE sind solche Dinge längst gelöst. Teilzeitarbeit, Homeoffice, Betriebskindergarten – diese Dinge werden längst gelebt. Frauenförderung? Schmid macht große, verwunderte Augen. Das braucht sie nicht. Eine Benachteiligung als Frau habe sie noch nie gespürt. Etwa die Hälfte der Führungskräfte bei VAUDE sei ohnehin schon weiblich. Auch sie selbst habe eine Chefin. „Sie hat mich immer gefördert, mein Potenzial erkannt und mich unterstützt, dass ich nach vorne komme. Es ist eine Win-Win-Situation.“ Bei VAUDE laufen die Dinge eben anders: Vertrauensarbeitszeit, Gleitzeit, mehr Freiraum, mehr Selbstbestimmung – was zählt, ist der Spirit, und die gemeinsame Leidenschaft für Sport in der Natur und gelebte Nachhaltigkeit auf allen Ebenen.

Keine Angst vor Veränderungen

Es wird sich viel ändern, auch bei VAUDE. © VAUDE

Petra Schmid scheint bei VAUDE für sich also wirklich einen Volltreffer gelandet zu haben. Aber gibt es doch irgendetwas, was noch fehlt inmitten der sportlichen Hopfen-, Apfel- und Wald-Idylle? „Ja – Handyempfang!“, sagt Schmid. In der Tat gibt es kein Mobilfunknetz. „Das ist auch für unsere Kunden nicht angenehm.“ Die 31-Jährige glaubt, dass sich die Arbeitswelt durch die Digitalisierung noch gewaltig verändern wird in den nächsten Jahrzehnten. „3D Technologie, autonomes Fahren, Nähautomaten satt Näherinnen. Mit Robotern und künstlicher Intelligenz werden Entwicklungen auf uns zukommen, die wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können. Ich bin sehr offen und optimistisch für das, was kommt.“ Petra Schmid hat keine Angst vor diesen Veränderungen. Vielleicht komme ja auch eine 30-Stunden-Woche für alle in Deutschland, wenn uns die Digitalisierung Arbeit abnimmt. Und sie hofft, dass alle Mitarbeiter vielleicht irgendwann CO2-frei zur Arbeit kommen.