„Ein Familienunternehmen ist eine Entscheidung fürs Leben“

Sarna Röser ist designierte Nachfolgerin des in dritter Generation geführten Betonwerks Karl Röser & Sohn in Mundelsheim. Seit kurzem ist sie zudem Bundesvorsitzende des Verbandes „Die Jungen Unternehmer“. Als Stimme der Generation Y vertritt sie zukünftig die Interessen des jungen Unternehmertums in Deutschland und will sich vor allem für die Themen Nachfolge und Digitalisierung einsetzen. Der eigene Familienbetrieb kämpft gegen den zunehmenden Fachkräftemangel und lockt junge Mitarbeiter mit einem sicheren Arbeitsplatz, flexiblen Arbeitszeiten und einem kollegialen Betriebsklima.

Sarna Röser wird die erste Frau an der Spitze des Familienbetriebs sein.

Sarna Röser soll irgendwann das 1923 gegründete Unternehmen leiten, das Stahlbetonrohre, Kanalschächte und Regenwassernutzung herstellt. Sie wird die erste Frau an der Spitze des Familienbetriebs sein – und das in einer männerdominierten Branche. Die Nachfolge hat die Familie indes gut vorbereitet. Sie zogen einen externen Berater hinzu, der auf Unternehmensnachfolge spezialisiert ist. „Man muss früh mit dem Prozess beginnen, damit die Mitarbeiter und die Familie sicher sein können, dass die Firma irgendwann in guten Händen weitergeführt wird“, sagt Sarna Röser. Wichtig sei, offen darüber zu sprechen und einen Plan auszuarbeiten. Ihr selber sei das offene Verhältnis zu ihrem Vater eine große Stütze. „Er hat immer ein offenes Ohr für meine Ideen, egal wie abwegig sie vielleicht manchmal klingen.“

Die junge Unternehmerin schätzt es, dass die Zeiten der Firmenpatriarchen endgültig vorbei sind und Entscheidungen gleichberechtigt und auf Augenhöhe besprochen werden. Die Eltern haben bei der Berufswahl nie Druck auf die Tochter ausgeübt. „Mach wofür du brennst“, hätten sie immer zu ihr gesagt. „Und ich brenne für das Unternehmertum“, meint sie. Sarna Röser kennt aber auch die persönlichen Herausforderungen, denen junge Nachfolger in Familienbetrieben gegenüberstehen: Das Berufliche und Private sind eng miteinander verwoben und es ist oft schwierig, eine Balance zu finden. „Von außen sieht es immer so aus, als würde man sich ins gemachte Nest setzen“, kritisiert sie. Das stimme aber nicht. „Es ist eine große Herausforderung, denn so ein Familienunternehmen ist eine Entscheidung fürs Leben“.

Der Generationswechsel wird für den Mittelstand zum Problem

In den nächsten fünf Jahren verabschieden sich Chefs von rund 850.000 Betrieben in den Ruhestand. „Jedes fünfte mittelständische Unternehmen ist betroffen“, weiß Sarna Röser und nennt weitere Zahlen. Davon sollen rund 1.500 junge Nachfolger in ihrem Alter die Familienunternehmen übernehmen. „Die meisten Söhne oder Töchter von Firmeninhabern können sich vorstellen, den Betrieb zu übernehmen, doch um wettbewerbsfähig zu bleiben, brauchen sie eine verlässliche digitale Infrastruktur, einen flexiblen Arbeitsmarkt und ausreichend Fachkräfte“, sagt sie und kritisiert die Große Koalition, die das Thema Digitalisierung ihrer Meinung nach in den letzten Legislaturperioden verschlafen habe. Das ginge zulasten der gesamten jungen Generation.

Digitalisierung als Chance in der Fertigbetonteilindustrie

Solange Sarna Rösers Vater noch in der Geschäftsleitung ist, hat die Chefin in spe genug Zeit für die Generation Y die Werbetrommel zu rühren – mit vielen Terminen in der Geschäftsstelle in Berlin, Gesprächen mit Politikern, Journalisten und Unternehmern. Sie genießt diese umtriebige Zeit. „Aber dennoch ist es immer wieder schön, heimzukommen und zu wissen, wohin ich gehöre.“ Und damit meint Sarna Röser ihr Zuhause in Mundelsheim. Ein kleiner Ort, 30 Kilometer nördlich von Stuttgart. Der Geist der New Economy weht auch hier, wenn auch nicht ganz so stürmisch: Der 59-jährige Seniorchef Jürgen Röser, der 1988 das Unternehmen von seinem Vater übernahm, erzählt beispielsweise gerne von der neu erfundenen Mischung Carbonbeton. „Wir waren schon immer New Economy“, ist Jürgen Röser überzeugt. Immer auf der Suche nach neuen Baustoffen, nach energieeffizienten und nachhaltigen Verfahren. Im digitalen Fortschritt sehe er ein großes Potenzial, Arbeitsprozesse weiter zu automatisieren. „Wir haben eigene Softwareentwickler im Haus, die zusammen mit unseren Elektrotechnikern eine neuartige 3-D-Fräsmaschine selbst entwickelt und gebaut haben.“

„Wir brauchen heute eine Mischung aus Handwerker und Elektrotechniker“

Sarna Röser links mit ihrem Vater Jürgen Röser.

Was den Rösers allerdings Kopfzerbrechen bereitet, ist der eklatante Fachkräftemangel in ihrer Branche. „Wir sind schon froh, wenn wir einen Azubi pro Jahr finden“, erklärt Jürgen Röser. Die Firma nimmt deshalb auch gerne Studienabbrecher für eine Lehre als Industriekaufmann/-frau bei ihnen an. Berufe im Tiefbau seien für viele nicht attraktiv genug. Die meisten würden studieren und keinen Handwerkerberuf mehr erlernen wollen. „Die junge Generation steht unter Druck, studieren zu müssen, wenn sie im Leben etwas erreichen will“, erklärt Sarna Röser. So würden auch viele studieren, die im Handwerk vielleicht besser aufgehoben wären. Das liege aber auch an der Ausbildung, die attraktiver werden müsse, indem sie sich stärker an die neuen digitalen Anforderungen anpasse. „Wir brauchen heute eine Mischung aus Handwerker und Elektrotechniker.“ Auch wäre gut, wenn der Staat nicht den Fachkräftemangel noch verstärken würde – zum Beispiel durch die Rente mit 63. Dadurch würden ihnen wertvolle Fachkräfte frühzeitig verloren gehen.

Jedenfalls sucht die gesamte Tiefbaubranche händeringend nach weiteren Mitarbeitern, denn im Kanalbau stehen die Kommunen vor großen Sanierungs- und Erneuerungsaufgaben. Vor allem Bauingenieure sind gefragt.

Fünfzig Mitarbeiter beschäftigen die Rösers. Bei den jungen Nachwuchskräften punktet die Firma vor allem durch ihre kollegiale Unternehmenskultur und die Perspektive, nach der Ausbildung einen sicheren Arbeitsplatz zu bekommen. Um die Fachkräfte nachhaltig an sich zu binden, ist es der Firmenleitung daher wichtig dafür zu sorgen, dass sich Mitarbeiter im Unternehmen wohl fühlen. „Junge Mitarbeiter wollen heute oft flexibel arbeiten, um Familie und Beruf gut unter einem Hut zu bringen“, weiß Sarna Röser. Sie würden das so individuell wie möglich mit jedem Einzelnen klären. „Wir versuchen kontinuierlich durch ein Geben und Nehmen, Arbeit und Freizeit auszubalancieren.“ Dass sich dies für beide Seiten auszahle, zeige sich dadurch, dass sie über Jahrzehnte hinweg eine sehr geringe Mitarbeiterfluktuation hätten. „Wir haben sehr viele Mitarbeiter, die seit über 25 Jahren hier im Unternehmen arbeiten.“

Die Ansprüche an die Chefs sind gestiegen

Auch Firmenchef Jürgen Röser erkennt, dass junge Mitarbeiter heute mit anderen Vorstellungen kommen als vor zehn Jahren. „Die Ansprüche an die Chefs sind gestiegen, die Mitarbeiter wollen mehr Mitsprache, erwarten mehr Transparenz und die Arbeit soll Spaß machen“, nennt er die Herausforderungen. Es reiche heute nicht mehr aus, einfach Ansagen zu machen, man müsse die Mitarbeiter mitnehmen und ihnen die Entscheidungen erklären. Jürgen Röser reagiert darauf mit einem veränderten Führungsstil, als die der alten Firmenpatriarchen. Auch wenn dies mit mehr Kommunikationsaufwand verbunden ist. „Ich habe immer ein offenes Ohr für die jungen Teamleiter und die Mitarbeiter“, erklärt Röser. Ihre flachen Hierarchien machten es zudem einfacher, sich in lockeren Gesprächen und auf Augenhöhe untereinander auszutauschen.

Was den Rösers bisher noch zu Gute kommt, ist ihr guter Ruf in der Region. „Junge Fachkräfte aus dem Umkreis kennen das Unternehmen als alteingesessene Firma und oftmals sind es die eigenen Mitarbeiter, die uns bei ihren Freunden oder Bekannten als innovativen und guten Arbeitgeber empfehlen“, freut sich Sarna Röser.


Sarna Röser ist designierte Nachfolgerin des 1923 gegründeten und in dritter Generation geführten Zementrohr- und Betonwerks Karl Röser & Sohn in Mundelsheim, das Stahlbetonrohre, Kanalschächte und Regenwassernutzung herstellt. Derzeit leiten ihr Vater Jürgen Röser mit seinem Bruder das Unternehmen. Neben dem Betonwerk betreibt die Familie ein weiteres Unternehmen, die Röser FAM GmbH. Gemeinsam mit ihrer Mutter und Schwester entwickelt Sarna Röser dort Personalstrategien sowie Konzepte zur unternehmerischen Verantwortung, zum Thema Senior Experts und zur Digitalisierung für Unternehmen. Die 30-Jährige engagiert sich zudem in der Social Angels Stiftung ihrer Eltern, die vom Bundesfamilienministerium als Leuchtturmprojekt Deutschlands ausgezeichnet wurde: Hochqualifizierte Führungskräfte, die bereits im Ruhestand sind oder kurz vor dem Ruhestand stehen, wurden von der Stiftung als „Engagementberater“ weiterqualifiziert und stehen Unternehmen zum Thema Übergangsmanagement beratend zur Seite.

Sarna Röser möchte auch eigene unternehmerische Erfolge vorweisen und gründete vor kurzem in Düsseldorf das Start-up Beamcoo, eine digitale Plattform, die Managern und Mitarbeitern helfen soll, sich über Unternehmensgrenzen hinweg zu vernetzen. Seit kurzem ist sie zudem Bundesvorsitzende des Verbandes „Die Jungen Unternehmer“. Als Stimme der Generation Y vertritt sie zukünftig die Interessen des jungen Unternehmertums in Deutschland und setzt sich vor allem für die Themen Nachfolge und Digitalisierung ein. Sarna Röser ist seit 2010 aktives Verbandsmitglied und engagiert sich dort im Klub der Nachfolger und im Kernteam der Digitalen Kommission.