“Unternehmen müssen um junge und gute Leute kämpfen”

Sarna Röser soll irgendwann das 1923 gegründete Unternehmen leiten, das Stahlbetonrohre, Kanalschächte und Regenwassernutzung herstellt. Sie wird die erste Frau an der Spitze des Familienbetriebs sein – und das in einer männerdominierten Branche. Die Nachfolge hat die Familie indes gut vorbereitet. Sie zogen einen externen Berater hinzu, der auf Unternehmensnachfolge spezialisiert ist. „Man muss früh mit dem Prozess beginnen, damit die Mitarbeiter und die Familie sicher sein können, dass die Firma irgendwann in guten Händen weitergeführt wird“, sagt Sarna Röser. Wichtig sei, offen darüber zu sprechen und einen Plan auszuarbeiten. Ihr selber sei das offene Verhältnis zu ihrem Vater eine große Stütze. „Er hat immer ein offenes Ohr für meine Ideen, egal wie abwegig sie vielleicht manchmal klingen.“

Auch Firmenchef Jürgen Röser erkennt, dass junge Mitarbeiter heute mit anderen Vorstellungen kommen als vor zehn Jahren. „Die Ansprüche an die Chefs sind gestiegen, die Mitarbeiter wollen mehr Mitsprache, erwarten mehr Transparenz und die Arbeit soll Spaß machen“, nennt er die Herausforderungen. Es reiche heute nicht mehr aus, einfach Ansagen zu machen, man müsse die Mitarbeiter mitnehmen und ihnen die Entscheidungen erklären. Jürgen Röser reagiert darauf mit einem veränderten Führungsstil, als die der alten Firmenpatriarchen. Auch wenn dies mit mehr Kommunikationsaufwand verbunden ist. „Ich habe immer ein offenes Ohr für die jungen Teamleiter und die Mitarbeiter“, erklärt Röser. Ihre flachen Hierarchien machten es zudem einfacher, sich in lockeren Gesprächen und auf Augenhöhe untereinander auszutauschen.


Sarna Röser vertritt als Stimme der Generation Y zukünftig die Interessen des jungen Unternehmertums in Deutschland und will sich vor allem für die Themen Nachfolge und Digitalisierung einsetzen. In den nächsten fünf Jahren verabschieden sich Chefs von rund 850.000 Betrieben in den Ruhestand. „Jedes fünfte mittelständische Unternehmen ist betroffen“, weiß Sarna Röser und nennt weitere Zahlen. Davon sollen rund 1.500 junge Nachfolger in ihrem Alter die Familienunternehmen übernehmen. „Die meisten Söhne oder Töchter von Firmeninhabern können sich vorstellen, den Betrieb zu übernehmen, doch um wettbewerbsfähig zu bleiben, brauchen sie eine verlässliche digitale Infrastruktur, einen flexiblen Arbeitsmarkt und ausreichend Fachkräfte“, sagt sie.