„Die Generation Y geht mit viel Elan und Visionen an die Sache ran“

Im vergangenen Jahr startete die Alexander Bürkle GmbH & Co. KG ihre digitale Transformation, um ihr Geschäftsmodell an die neuen Marktanforderungen anzupassen. Die neue Marke „Bürkle“ ist Ausdruck einer agileren Firmenkultur, die das Unternehmen vom Elektrogroßhändler zu einem führenden Technologie- und Servicedienstleister in der Industrie 4.0 begleiten soll. Die Generation Y ist der treibende Motor für Bürkles Transformation in eine digitale Zukunft. Um sie nachhaltig an sich zu binden, ermöglicht das Freiburger Unternehmen seinen Mitarbeitern Eigenverantwortung und aktive Mitsprache. Eine eigene Akademie, ein Ideenblog, ein Fitness- sowie ein Kunstraum sind zusätzliche Anreize. Ebenso das kreative Containerdorf – ein Ort des neuen Denkens und Arbeitens.

2017 war für Andreas Ege das Jahr des Umbruchs. Da fing der Geschäftsführer an, die Vision einer neuen Alexander Bürkle GmbH & Co. KG zu entwickeln. Er leitete die digitale Transformation des Unternehmens ein. Das war notwendig geworden, denn die Digitalisierung verändert zunehmend die Märkte: Sie schafft neue Wettbewerber und neue Kundenbedürfnisse, komplexe Produkte und disruptive Technologien. „Elektroartikel gibt es mittlerweile überall in den Baumärkten und im Onlinehandel, das drückt unsere Erträge“, erklärt Andreas Ege die Folgen. Das Kaufverhalten und die Erwartungshaltung vor allem jüngerer Kunden habe sich gewandelt. Mit einem Klick im Internet bekomme der Kunde sofort eine Preisübersicht, er wolle die Ware schnell bestellen und geliefert bekommen, und er wechsle aber auch genauso schnell zum Konkurrenten.

Außerdem seien Elektroinstallateure mit der Entwicklung der vollelektronischen Steuerung in gewerblichen Bauten zunehmend überfordert. Und in der Industrie 4.0 komme es auch immer mehr auf die Beherrschung integrierter Systeme an. „Wir möchten unsere Leistungen stärker an den Kundenbedürfnissen ausrichten – als ganzheitlicher Technologiepartner, als Begleiter auf dem Weg in die Industrie 4.0, als Berater rund um das intelligente Gebäude sowie Betreuer für einen erfolgreichen Fachhandel“, erklärt Ege die neue Zielrichtung seines Unternehmens. Ganz gemäß den aktuellen Firmen-Slogans: „Fang einfach an“, „Denk um!“, „Hör niemals auf“.

Mehr junge Nachwuchskräfte in Führungspositionen

Um Kunden mit einem allumfassenden Dienstleistungspaket versorgen zu können, baute der 54-jährige Firmenchef eine neue E-Business Abteilung auf, ein Start-up innerhalb eines gewachsenen Unternehmens. Es sollte die Brücke werden zwischen der traditionellen und der digitalen Welt. Und weil Ege davon überzeugt ist, dass Unternehmen viel mehr junge Nachwuchskräfte in Führungspositionen bringen und sie anleiten sollten, übergab er dem 26-jährigen Mitarbeiter Mario Wolters die Leitung.

Mario Wolters

Initialzündung war Wolters Masterarbeit über die „Digitalisierung bei Alexander Bürkle“. Der digitale Transformator sollte seine Vision in die Praxis umsetzen. Ein Vorgang, der bei Bürkle üblich ist. Das Unternehmen glaubt an das Potenzial der jungen Generation und überträgt ihnen schnell Verantwortung. „Die Generation Y bringt eine andere Sicht auf die Dinge, sie geht mit viel Elan und mit Visionen an die Sache ran“, sagt Ege über den jungen Nachwuchs. Die Firmenleitung lege mehr denn je Wert auf die selbständige Erarbeitung von Problemlösungen seitens der Mitarbeiter, da aus rein praktischen Gründen eine Kontrolle der vielfältigen Prozesse auf der Arbeitsebene gar nicht mehr möglich ist. „Ich habe schnell Verantwortung und einen großen Vertrauensvorschuss bekommen, das ist unglaublich motivierend“, sagt Wolters.

Vielfalt, agiles Arbeiten und Mut zu Fehlern

Mit einem 20 Mitarbeiter starken Team ist Mario Wolters nun für Online Marketing, E-Commerce, Big Data, die Einführung von Kundenbeziehungsmanagement, kurz CRM, sowie den Aufbau einer digitalen Kundenplattform zuständig. Die E-Business Abteilung ist neben Vertrieb und Logistik mittlerweile die drittgrößte Abteilung und ein Ort des neuen Denkens und Arbeitens. Hier sitzt die Generation Y – eine bunt gemischte, internationale Gruppe aus Pädagogen, Marketingexperten, Informatikern, Betriebswirtschaftler, Beratern, Industriekaufleuten und Azubis. Der Altersdurchschnitt liegt bei 31 Jahren, der Anteil an Frauen und Männern ist gleich. Vielfalt ist für die Abteilung sehr wichtig: „Je diverser, desto besser“, weiß Wolters. Jeder bringe seine ganz eigene Sichtweise in die Projekte ein. „Jeder neue Mitarbeiter bringt auch neue Ideen mit.“

Mario Wolters schätzt den offenen Führungsstil seines Firmenchefs. „Andreas Ege fördert ein agiles Arbeiten mit weniger Kontrolle aus den Führungsebenen und mehr Eigenverantwortung für Mitarbeiter und Teams.“ Dadurch könnten er und sein Team sich schneller, flexibler und effizienter auf eine sich ständig verändernde Umwelt einstellen. „Er ist mehr Coach als Chef, der mich auf meinem Weg begleitet. Ich darf Mut haben zu Fehlern, das ist nicht selbstverständlich.“

Flexible Arbeitszeiten für mehr Effizienz

Kollaboratives Arbeiten, Mitsprache, Weiterbildung und Work-Life-Balance – das sind die Schlagwörter, mit denen das Unternehmen Bürkle bei der Suche nach Nachwuchskräften konfrontiert wird. Um Fachkräfte anzulocken und nachhaltig an sich zu binden, kommt Bürkle seinen Mitarbeitern auch mit verschiedenen Arbeitszeit-Modellen entgegen. Eltern beispielsweise können in Teilzeit arbeiten und Homeoffice machen. Wie die 29-jährige Mitarbeiterin Tiziana Liguori-Schlichting, die den Job als Verantwortliche im Bereich E-Learning nur wegen der flexiblen Arbeitszeiten annehmen konnte. Die Erziehungswissenschaftlerin hatte, wie ihr Kollege Mario Wolters, nach ihrer Masterarbeit über „Digitales Lernen bei Bürkle“ schnell Verantwortung bekommen, und den Bereich E-Learning mit aufgebaut und weiterentwickelt. „Junge Mütter, die in Teilzeit arbeiten sind oft viel motivierter und effizienter als jemand, der Vollzeit arbeitet“, findet Andreas Ege.

Liguori-Schlichting schätzt Bürkle nicht nur für das große Vertrauen in ihre Leistungen, sondern auch für seine Offenheit, Liberalität und Menschlichkeit, was sich in einem guten Verhältnis zwischen Firmenleitung und Belegschaft ausdrückt. Die Firmenleitung lebe einen respektvollen und freundlichen Umgang vor, jeder wird gleichbehandelt „Die Mitarbeiter arbeiten gerne im Unternehmen und bringen dadurch bessere Leistungen.“

Führungsnachwuchs durch Weiterbildung

Bessere Leistungen erbringen die Angestellten aber nicht nur durch das gute Betriebsklima, sondern auch durch die Möglichkeit, sich in der Alexander Bürkle-Akademie weiterzubilden. Dort werden die Mitarbeiter systematisch gefördert und ihre technischen, kaufmännischen und digitalen Qualifikationen weiterentwickelt. „Die Generation Y möchte herausgefordert werden und sich weiterbilden“, weiß Ege. Die Firma würde dies aber auch von den Mitarbeitern erwarten. Innerhalb von drei Monaten müssten Mitarbeiter bestimmte Webinare besuchen, um sich besser auf die veränderten Kunden- und Marktanforderungen vorbereiten zu können. Ziel der Weiterbildung sei es, die Wertschöpfung pro Mitarbeiter zu verbessern, die Unternehmensprozesse und interne Zusammenarbeit zu optimieren und langfristig einen neuen Führungsnachwuchs aufzubauen.

Aktive Mitsprache und agile Projektarbeit in kreativen Räumen

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Containerdorf Alexander Bürkle GmbH & Co.

Um den jungen Nachwuchs auch nachhaltig an sich zu binden, ermöglicht Bürkle mehr Teamarbeit und aktive Mitsprache durch die Einrichtung eines internen Ideenblogs und kreativer Freiräume. Über den Blog können alle 800 Mitarbeiter an 22 Standorten ihre Vorschläge einbringen. Jeder Einzelne bekommt dadurch die Chance, aktiv die digitale Transformation der Firma mitzugestalten. Das gemeinsame Machen schafft Identifikation und konkrete Orientierung bei der Ausgestaltung der Zukunft. „Das Netzwerk ist der Schlüssel zum Erfolg,“ glaubt Ege.

Für einen kreativen Freiraum ließ das Unternehmen auf seinem Werkhof ein Containerdorf aufbauen, als Testfeld für zukünftiges Denken, Handeln und Arbeiten, aber auch als Treffpunkt, Hotspot und Bar. Die 3 technisch voll ausgestatteten Räume dienen als Denkwerkstätten, in denen agile Projektarbeit, kollaboratives Arbeiten, erfinderisches Denken und digitale Technologien die Zusammenarbeit der Teams prägen. Und in denen aktives Teambuilding, aber auch gelebte Work-Life-Balance stattfinden.

„Wir gewinnen durch unsere neue Innovationskultur an Attraktivität, weil wir kontinuierlich neue Produkte, neue Dienstleistungen und neue Geschäftsmodelle fördern“, sagt Ege. „Die Generation Y braucht immer eine gute Geschichte, und die können wir ihnen jetzt liefern.“


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Geschäftsführer Andreas Ege

Die Alexander Bürkle GmbH & Co. KG wurde im Jahr 1900 vom Kaufmann Alexander Bürkle in Freiburg gegründet. Als Handelsvertretung für Hütten- und Walzwerkprodukte vertrieb sie zunächst Kupferbleche und Messingrohre. Bald nahm der Ein-Mann-Betrieb elektrotechnische Produkte ins Sortiment. Nach Bürkles plötzlichem Tod 1929 ging das Unternehmen zur Hälfte an seinen Schwiegersohn Albert Fischer und zur anderen Hälfte an seinen Prokuristen Paul Ege senior über. 1994 kaufte die Familie Ege die Firmenanteile auf und übergab im Jahr 2000 die Leitung an die Söhne Andreas und Martin Ege, die den Elektrogroßhandel nunmehr in der vierten Generation führen. Heute beschäftigt der Elektrogroßhändler 800 Mitarbeiter an 22 Standorten mit drei Unternehmensbereichen: smart buildings, smart industries und smart consumers. Das Unternehmen hat einen Umsatz von 330 Mio. Euro, gehandelt werden rund 1,5 Mio. Artikel.

 

2017 startete die Bürkle-Gruppe ihre digitale Transformation, um das Geschäftsmodell an zukünftige Anforderungen des Marktes anzupassen und das Unternehmen vom Elektrogroßhändler zu einem führenden Technologie- und Servicedienstleister zu machen. Zukünftig werden digitale Services über eine umfassende Plattform angeboten, die komplette Dienstleistungspakete bereithält. Bürkle begleitet den Kunden von der Planung über die Beschaffung bis zur Installation.

In der 2005 gegründeten Alexander Bürkle-Akademie soll die Weiterbildung der Mitarbeiter systematisch gefördert und ihre technische und kaufmännische Qualifikation ständig verbessert werden.

Seit März 2004 besteht auf dem Firmengelände ein Kunstraum Alexander Bürkle, der sich der Vermittlung internationaler zeitgenössischer Kunst widmet. Er stellt Werke aus der Sammlung radikaler monochromer Malerei der letzten zwei Jahrzehnte der Ege Kunst- und Kulturstiftung aus.